Vom 20. Juli 1944 zum Hambacher Forst. Der Begriff des Widerstandes

Bericht zur XXXIII. Königswinterer Tagung, 2020

Die erstaunliche Renaissance des Begriffsfeldes „Widerstand“ über das letzte Jahrzehnt und das gesamte politische Spektrum hinweg beinhaltete neben oft verfehlten, direkten Bezugnahmen auf den Widerstand des 20. Juli 1944 noch zahlreichere Bedeutungsverschiebungen dessen, was gemeinhin als „widerständig“ verstanden wird. Eine solche Verschiebung wirft zunächst die nicht triviale Frage nach den Handlungen auf, die sich mit dem diskutierten Terminus beschreiben lassen: Stellen eine parlamentarische Opposition oder ein breit auf die Straßen des Landes getragener Protest gegen die Politik der Bundesregierung bereits „Widerstand“ dar? Ließe sich ein so verstandener „Widerstand“ begrifflich überhaupt noch in eine Reihe mit dem oft tödlich endenden Widerstand gegen den Nationalsozialismus stellen? Kann Widerstand in einer Republik überhaupt stattfinden? Und besteht nicht die definitorische Gefahr, durch unklare Begrifflichkeit oder „gebetsmühlenartige Veralltäglichung“ (Klaus Hildebrand) eine Sinnentleerung des Begriffs zu riskieren? Diese Fragen nahm die Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V. zum Auftrag, um Begriff, Handlungsfelder, Bedeutungsverschiebungen und die Rolle des Phänomens innerhalb einer Demokratie anhand klassischer und völlig neuer Beispiele auszuloten.

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Vom bürgerlichen Humanismus zum „Herrenmenschentum“ – Die Transformation moralischer Werte als Ausgangspunkt für den Widerstand im „Dritten Reich“

Bericht zur XXXII. Königswinterer Tagung, 2019

Wie konnte sich seit dem Regierungsantritt der Nationalsozialisten der moralische Referenzrahmen innerhalb kürzester Zeit derart verschieben, dass der bürgerliche Humanismus deutscher Eliten in eine Moral des „Herrenmenschentums“ umschlug und hierdurch Genozid und Vernichtungskrieg erst in den Bereich des sittlich Möglichen rückten? Diese nach wie vor paralysierende Frage hatte sich die Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 als Thema für ihre XXXII. Jahrestagung in Bonn aufgetragen. Welche subtile Wirkung dabei die nationalsozialistische Sprache ausübte, in welchen lange vor 1933 einsetzenden Kontinuitätslinien der Wertewandel im „Dritten Reich“ stand und wie und aus welchen vielfältigen Motiven sich Widerstand gegen die verheerende Verschiebung des moralischen Referenzrahmens erhob, waren dabei nur einige Aspekte, die auf der Tagung mit dem Titel „Vom bürgerlichen Humanismus zum „Herrenmenschentum“ – Die Transformation moralischer Werte als Ausgangspunkt für den Widerstand im „Dritten Reich““ diskutiert wurden.

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„Mit jedem Leben, das wir retteten, bekämpften wir Hitler!“ – Jüdischer Widerstand und der Widerstand und die Juden

Bericht zur XXXI. Königswinterer Tagung, 2018

Hatten Anpassung und Passivität als Ergebnis ihrer langen Verfolgungsgeschichte dazu geführt, dass die Juden Europas gegen die NS-Vernichtungspolitik keinen Widerstand leisteten? Dieser oft vorgebrachten Ansicht wollte die Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 auf ihrer XXXI. Jahrestagung zum Thema „Jüdischer Widerstand und der Widerstand und die Juden“ nachspüren. Wie ein jüdischer Widerstand zu fassen wäre, welche verschiedenen Ausdrucksformen und Handlungsräume jüdischen Widerstands es überhaupt geben könnte und inwiefern der „deutsche Widerstand“ sich mit der „Judenfrage“ befasste, waren erkenntnisleitende Fragestellungen der Tagung.

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„… und dadurch steht er vor Freisler, als Christ und als gar Nichts anderes…“ – Christlicher Glaube als Fundament und Handlungsorientierung des Widerstandes gegen das „Dritte Reich“

Bericht zur XXX. Königswinterer Tagung, 2017

Helmuth James Graf von Moltke schrieb aus der Haft an seine Frau, dass er die Konfrontation zwischen sich und dem Präsidenten des Volksgerichtshofs Roland Freisler vor allem in der offensichtlich werdenden Unvereinbarkeit der Ideen des Christentums und des Nationalsozialismus empfunden hatte. Er war sich sicher, dass sein christliches Bekenntnis der Grund dafür gewesen ist, warum Freisler ihn umbringen musste.[1] Als radikalsten Gegenentwurf zum Nationalsozialismus zählte das Christentum bis zuletzt zu den erklärten Feinden des Regimes. Deshalb hatte sich die Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 gemeinsam mit der Stiftung 20. Juli 1944 in Kooperation mit der Jakob-Kaiser-Stiftung während ihrer XXX. Königswinterer Tagung die Annäherung an den deutschen Widerstand gegen Hitler über dessen christliche Motivationen zum Ziel gesetzt.

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„Sie hatten alle Geist und Rang und Namen“ – Mitglieder des Widerstands und ihr Wirken nach 1945

Bericht zur XXIX. Königswinterer Tagung, 2016

Inwiefern das Wirken der Überlebenden und Angehörigen des deutschen Widerstandes an der Erinnerung der Gegnerschaft zur Hitler-Diktatur Anteil genommen hatte, untersuchte die „Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944“ während ihrer XXIX. Jahrestagung vom 26. bis 28. Februar in Bonn vornehmlich anhand ausgewählter Nachkriegs-Biographien.

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„Das Vermächtnis ist noch in Wirksamkeit, die Verpflichtung noch nicht eingelöst.“ – Der Widerstand gegen das „Dritte Reich“ in Öffentlichkeit und Forschung seit 1945

Bericht zur XXVII. Königswinterer Tagung, 2014

Theodor Heuss prägte vor 60 Jahren in seiner Gedenkrede zum zehnten Jahrestages des versuchten Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 eine geschichtswirksame Formel, unter deren Rubrum die „Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V.“ gemeinsam mit der Stiftung „20. Juli 1944“ und in Kooperation mit der Jakob-Kaiser-Stiftung vom 21. bis 23. Februar 2014 zu ihrer Jahrestagung im Tagungs- und Bildungshaus des Christlichen Jugenddorfwerkes (CJD) in Bonn einlud.

Unter der Losung „Das Vermächtnis ist noch in Wirksamkeit, die Verpflichtung noch nicht eingelöst.“ (Th. Heuss) – Der Widerstand gegen das ‚Dritte Reich‘ in Öffentlichkeit und Forschung seit 1945 waren in diesem Jahr wieder etwa 120 Veranstaltungsteilnehmer zusammengekommen. In vier thematisch getrennten Sektionen untersuchten die Tagungsbeiträge die bundesrepublikanische Rezeptionsgeschichte des Wider-standes gegen den Nationalsozialismus an Beispielen aus der Gedenk- und Populärkultur, Literatur und Film, der Bundeswehr sowie der juristischen Auseinandersetzung.

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„Weder überflüssig noch unterlegen“ – Neue Forschungen zum Widerstand im „Dritten Reich“

Bericht zur XXVI. Königswinterer Tagung, 2013

Als zu Beginn der 1970er Jahre junge Familienmitglieder aus dem Kreis der „Stiftung 20. Juli 1944″ die Gründung einer Forschungsgemeinschaft erwogen, stieß dieses Vorhaben bei Älteren aus dem Umfeld des deutschen Widerstandes keinesfalls auf ungeteilte Zustimmung, erinnerte sich RÜDIGER VON VOSS (Berlin) in seinem Festvortrag anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V.[1] während der XXVI. Königswinterer Tagung, die unter dem Titel „Weder überflüssig noch unterlegen“- Neue Forschungen zum Widerstand im „Dritten Reich“ vom 22. bis zum 24. Februar 2013 gemeinsam mit der Stiftung 20. Juli 1944 und der Jakob-Kaiser-Stiftung im Adam-Stegerwald-Haus in Königswinter stattfand.

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„Und sie werden nicht mehr frei sein ihr ganzes Leben“ – Funktion und Stellenwert der NSDAP, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände im „Dritten Reich“

Bericht zur XXIV. Königswinterer Tagung, 2011

Die jährlich stattfindenden Tagungen der Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944, die sich vorrangig mit Aspekten des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus beschäftigen, haben sich in den letzten Jahren aufgrund des wissenschaftlichen Anspruchs, der die aktuellen Forschungsdiskurse berücksichtigenden Themenwahl und nicht zuletzt auch wegen ihrer heterogenen Teilnehmerzusammensetzung über Zeitzeugen- und Hinterbliebenenkreise hinaus als erkenntnisfördernde Fachveranstaltungen etabliert und weiterentwickelt. Dabei haben die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen gerade in den beiden vergangenen Jahren gezeigt, dass die Forschungsgemeinschaft längst nicht mehr nur das erklärte Ziel verfolgt, die Geschichte der Widerstandsbewegung gegen das NS-Regime zu erforschen und in der Erinnerung zu halten[1], sondern darüber hinaus auch die Ideologie und die Institutionen des „Dritten Reiches“ in den Blick nimmt, um davon ausgehend Rückschlüsse auf Möglichkeiten und Grenzen von Opposition und Widerstand im nationalsozialistischen Staat ziehen zu können. Die wissenschaftliche Vorbereitung der Tagung erfolgte im Rahmen eines alljährlich stattfindenden Jugendworkshops für Studenten und Angehörige aus Familien der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944, während ein Tagungsband mit allen Beiträgen der Referenten die Konferenz nachbereitet und abschließt.

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