Portrait

Vorstand:

Friedrich von Jagow, Vorsitzender
Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, 1. Stellvertreter
Fritz Delp, 2. Stellvertreter
Christina Rahtgens, Schatzmeisterin
Dr. Henriette Schuppener, Schriftführerin
RA Dr. Rüdiger von Voss, Ehrenvorsitzender

Beirat:

Prof. Dr. Wolfgang Bergsdorf
Dr. Klaus von Dohnanyi
Oberst a. D. Prof. Dr. Winfried Heinemann
Prof. Dr. Peter Hoffmann
Dr. Linda von Keyserlingk-Rehbein
Prof. Dr. Michael Kißener
Dr. Christoph Studt


Auftrag

Die Kernthesen unserer Satzung lauten:

  • Erforschung der Geschichte der Widerstandsbewegung gegen das NS-Regime in Deutschland und in den ehemals von dem NS-Regime besetzten europäischen Ländern, um ihre Bedeutung in der Öffentlichkeit wachzuhalten.
  • Die Vergabe von Forschungsaufträgen und Herausgabe von Forschungsergebnissen und sonstiger mit dem Vereinszweck in Zusammenhang stehender Publikationen.
  • Die Durchführung von Vorträgen, Tagungen, Kolloquien und ähnlichen Veranstaltungen.

Daraus leitet sich folgender Auftrag ab:

Die Forschungsgemeinschaft sieht sich verpflichtet, alle Bemühungen zu unternehmen, um die wissenschaftliche Erforschung des deutschen Widerstandes anzuregen, die Darstellung dieses Kapitels deutscher Geschichte zu fördern und über das „andere Deutschland“ zu informieren und dessen Vermächtnis zu bewahren.

Zukunftsorientiertes Ziel ist allerdings auch, zur Sicherung des Friedens beizutragen und im Geiste großer Teile des Widerstands für die Völkerverständigung und ein vereintes, friedliches Europa einzutreten.

Den von Kritikern des Widerstands geäußerten Thesen: „zu spät, zu dilettantisch, nur zur eigenen Ehrenrettung“ gilt es mit historischen Fakten entgegenzutreten und dadurch den Frauen und Männern des Widerstands (vereinzelt auch „Verräter“ genannt) Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.


Die wissenschaftlich-historische Bearbeitung des Widerstands wurde unter anderen von Prof. Dr. Günter Brakelmann, Universität Bochum, geprägt sowie aktuell von Prof. Dr. Joachim Scholtyseck und Dr. Christoph Studt, beide Universität Bonn. 

Von unschätzbarem Wert bei der Erforschung des Widerstands sowie bei den Diskussionen auf Tagungen und Seminaren war und ist aber auch die Mitarbeit derjenigen,  die aktiv am Attentat des 20. Juli beteiligt waren und dieses überlebten, sowie der Witwen, Töchter und Söhne der im Zusammenhang mit dem 20. Juli Hingerichteten.

Die Forschungsgemeinschaft wird von einem Kreis von über 200 Mitgliedern getragen, zumeist Hinterbliebene, Angehörige und Freunde von im Widerstand gegen Hitler aktiven Männern und Frauen sowie von Wissenschaftlern und Vertretern des öffentlichen und politischen Lebens. Sie ist jedoch auch aufgeschlossen für politisch und gesellschaftlich Interessierte, die keinen familiären oder sonstigen direkten Bezug zum Widerstand im „Dritten Reich“ haben.


Aufgaben

Königswinterer Tagung (seit 2013 in Bonn)

Bei der seit 1988 jährlich in Königswinter bei Bonn stattfindenden Tagung werden Themen des Widerstands von Wissenschaftlern und Zeitzeugen diskutiert. Dabei werden Forschungsdesiderate aufgedeckt und die Vermittlung historischer Erkenntnisse vorangetrieben. Außerdem wird auf bisher unbekannte Quellen aufmerksam gemacht und deren Auswertung angeregt.

Workshops für Studenten und Young Professionals (Königswinter, Bonn, Berlin)

Unter der wissenschaftlichen Leitung der Universität Bonn bearbeiten interessierte Jugendliche der Enkelgeneration aus Familien des Widerstands sowie Studenten und junge Erwachsene aus verschiedenen Berufen Themen des Widerstands. In der Regel soll der Workshop der Vorbereitung auf die nächste Königswinterer Tagung dienen.

Studienreisen/Begegnungsreisen

Die Forschungsgemeinschaft führt Tagungen an authentischen Orten des Widerstands durch und fördert den Dialog zwischen den europäischen Völkern, beispielsweise zwischen Polen und Deutschen in Kreisau oder Franzosen und Deutschen in Paris.

Publikationen

Die Forschungsgemeinschaft gibt in einer eigenen Schriftenreihe Forschungsergebnisse zum Thema Widerstand gegen den Nationalsozialismus heraus.


Historie

Die „Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944“ wurde am 20. Juli 1973 von Mitgliedern der „Stiftung 20. Juli 1944“ gegründet.

Der Schwerpunkt der „Stiftung“ lag in der finanziellen, sozialen und juristischen Betreuung der Hinterbliebenen und Angehörigen der Männer und Frauen des Widerstands gegen das national-sozialistische Regime.

Dagegen wuchs in den 1960er Jahren das Interesse der Söhne- und Töchtergeneration an einer Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Regimes und insbesondere an der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Widerstands gegen das Regime. Die Wider-standsforschung sollte verstärkt werden, die Widerstandsdiskussion und -definition auf eine breitere Basis gestellt werden. Aus diesen Überlegungen entstand die „Forschungsgemeinschaft“.

Das Foto zeigt den Hinrichtungsraum der Strafanstalt Plötzensee. 1937 wurde diese Arbeitsbaracke als Ort der Hinrichtungen bestimmt. In den 12 Jahren des nationalsozialistischen Terrors zwischen 1933 und 1945 wurden in Plötzensee insgesamt über 2.891 Menschen hingerichtet. Ende 1942 wurde ein Stahlträger eingezogen, an dem fünf Eisenhaken befestigt sind. Zwischen dem 8. August 1944 und dem 9. April 1945 wurden an diesem Galgen insgesamt 89 Menschen ermordet, die den Widerstandskreisen des 20. Juli 1944 zugerechnet werden können oder diese unterstützt haben.

Seit September 1952 ist der Hinrichtungsraum eine Gedenkstätte, in der am 20. Juli jedes Jahres ein ökumenischer Gottesdienst mit den Angehörigen und Nachkommen der hier Erhängten stattfindet.